Kongress-Konzept

Gesellschaftliche Solidarität wird immer mehr entlang identitärer Kategorien wie Ethnie, Kultur oder Religion gedacht. Die Menschen stellen sich damit immer weniger den politischen Diskursen, in denen verhandelt wird, in welcher Gesellschaft sie leben wollen. Stattdessen steht immer mehr die Frage im Vordergrund: „Wer sind wir?“.

Kongresskonzept

Derzeit scheint alle Welt auf Identitätssuche. Jenseits der Tatsache, dass jemand identisch im Wortsinn nur mit sich selbst sein kann, mithin jede Identität eine Konstruktion ist, wollen Menschen dazugehören. Zu Gruppen, Communities, Ethnien, Religionen, nationalen Gebilden etc. Ohne entsprechende Zugehörigkeit lässt diese Gesellschaft eine Teilhabe an ihr kaum zu. Gleichzeitig werden Menschen als zugehörig deklariert. Identität funktioniert nicht nur als Selbstzuschreibung, sondern ebenso – häufig mit verheerenden Folgen – als Fremdzuschreibung oder als gesellschaftlicher Zwangszu- sammenhang. Während die einen das gruppenbezogene Homogenisierungsversprechen als Selbstschutz benötigen – oder dies zumindest glauben – ist den anderen die Ausgrenzung das Anliegen. Zugehörigkeitswunsch oder oktroyierte Einordnung scheint all- gegenwärtig.

Verschiedene politische Strömungen beantworten die Frage nach der Durchlässigkeit dieser identitären Konstrukte unterschiedlich. Von rechts wird behauptet, es könne ihnen nicht entkommen werden, sie seien quasi natürlich und bestimmten alle individuellen Handlungen. Links hält es eher mit identifizierbaren (Opfer-)Gruppen, für deren gesellschaftliche Teilhabe gestritten wird.

Wohin diese Herangehensweisen führen, ob es einen emanzipatorischen Bezug auf Identitätkonstrukte überhaupt geben kann und inwieweit Kollektive als Klientelgruppen doch unverzichtbar für gesellschaftliche Aushandlungsprozesse und notwendige Wirkmächtigkeit sind, soll auf diesem Kongress diskutiert werden.